Immer weniger Wintersportler haben Lust auf überfüllte Pisten und endlose Schlangen am Lift. Stattdessen zieht es sie raus – in die Stille verschneiter Berghänge, fernab vom Trubel großer Skigebiete. Skitouren liegen im Trend. Und das aus gutem Grund: Wer einmal durch unberührten Schnee aufgestiegen ist und vom Gipfel ins Tal geblickt hat, vergisst das so schnell nicht.
Was Skitouren vom Pistenfahren unterscheidet
Der größte Unterschied steckt schon im Aufstieg. Tourengeher kleben spezielle Felle unter ihre Ski und steigen aus eigener Kraft den Berg hinauf. Kein Sessellift, kein Schlepplift. Nur der eigene Rhythmus und das Knirschen unter den Sohlen. Der Deutsche Alpenverein beziffert die Zahl der Skitourengeher in Deutschland auf mehr als 600.000 Menschen auf Skitouren – innerhalb von zwanzig Jahren hat sich diese Zahl etwa verdreifacht. Oben angekommen wartet dann die eigentliche Belohnung: eine Abfahrt durch unverspurten Pulverschnee, mit niemandem außer euch selbst auf der Spur.
Braucht ihr Vorerfahrung?
Nicht zwingend. Grundkondition und sicheres Fahren auf Skiern reichen für den Anfang vollkommen aus. Geführte Einsteiger-Touren nehmen euch viel Unsicherheit ab und vermitteln gleichzeitig die Basics. Besonders das Pflerschtal in Südtirol eignet sich mit seinen sanften Hängen und kurzen Zustiegen hervorragend für erste Versuche.
Tipp: Die Unterkunft namens Panorama in Ladurns liegt mitten in diesem Tal und bietet einen perfekten Ausgangspunkt für Tourenneulinge.
Ausrüstung – was ihr wirklich braucht
Ohne passende Ausrüstung geht auf Skitour nichts. Das Herzstück bilden Tourenski mit Steigfellen, dazu kommen Tourenbindungen mit Fersenfreigang und passende Tourenschuhe. Skistöcke mit breiten Tellern runden das Setup ab. Absolut unverzichtbar ist ein LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät) samt Sonde und Schaufel.
Klingt nach einer Menge Zeug? Stimmt. Aber viele Regionen in den Alpen verleihen Komplettsets zu fairen Preisen. Probiert es erst mal aus, bevor ihr euch eigene Ausrüstung zulegt – das spart Geld und ihr wisst hinterher besser, was zu euch passt.
Wo anfangen? Die besten Regionen für Einsteiger
Neben dem Pflerschtal lohnen sich das Wipptal und das Sellraintal in Tirol. Überschaubare Höhenunterschiede, moderate Steilheit und wenig Betrieb machen diese Täler ideal für den Einstieg. Wer lieber innerhalb Deutschlands bleibt, findet im Allgäu und den Bayerischen Alpen zahlreiche Routen mit niedrigem Schwierigkeitsgrad. Die schönsten Bergregionen für Sommer und Winter zeigen, wie groß die Auswahl hierzulande tatsächlich ist.
Tourenplanung – darauf kommt es an
Jede Tour beginnt mit einem Blick auf die aktuelle Lawinenwarnstufe. In Österreich und Südtirol liefert der lawinen.report zuverlässige Einschätzungen für jede Region. Darüber hinaus gilt: Seid ehrlich zu euch selbst, was eure Fitness betrifft. Startet mit kurzen Routen und wenig Höhenmetern. Bei wechselhaftem Wetter lieber frühzeitig umkehren – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Erfahrung. Für absolute Anfänger sind geführte Touren mit einem zertifizierten Bergführer die klügste Wahl, denn nebenbei bekommt ihr wertvolles Wissen über Gelände und Schneedecke vermittelt.
Sicherheit – das dürft ihr niemals vergessen
Das LVS-Gerät gehört vor jeder Tour geprüft: Batterie voll? Sende- und Empfangsfunktion einwandfrei? In den Rucksack kommen außerdem Sonde und Schaufel, ein Erste-Hilfe-Set sowie ausreichend Proviant und warme Reservekleidung. Steigt niemals allein auf – mindestens zu zweit unterwegs zu sein, ist Pflicht.
Und dann wäre da noch ein letzter Punkt, der keiner Diskussion bedarf: Besucht einen Lawinenkurs, etwa beim DAV oder einer regionalen Bergschule. Das nötige Wissen über Gefahrenmuster und Rettungstechniken bekommt ihr nirgendwo anders so kompakt vermittelt. Ohne dieses Fundament hat im freien Gelände niemand etwas verloren.
Skitouren verbinden Ausdauer, Naturerlebnis und alpine Freiheit auf eine Weise, die ihresgleichen sucht. Mit ein bisschen Vorbereitung und dem richtigen Revier ist der Einstieg unkomplizierter, als die meisten denken. Und eure erste Abfahrt durch jungfräulichen Schnee? Die bleibt im Kopf. Garantiert.
Warum sich der Einstieg gerade jetzt lohnt
Das Angebot für Skitoureneinsteiger war noch nie so gut wie heute. Immer mehr Bergschulen bieten spezielle Schnupperkurse an, Tourismusregionen markieren eigene Aufstiegsrouten und selbst Hüttenwirte stellen sich auf Tourengeher ein – mit frühen Öffnungszeiten und angepassten Speisekarten. Gleichzeitig wird die Ausrüstung von Jahr zu Jahr leichter, sicherer und bezahlbarer. Wer bisher gezögert hat, findet also bessere Voraussetzungen als je zuvor. Und das Schönste: Skitouren sind kein Sport, den man irgendwann „durchhat“. Jede Tour ist anders: anderes Licht, anderer Schnee, andere Eindrücke. Genau das macht süchtig.

