Sehenswürdigkeiten Korfu: Die schönsten Orte der grünen Insel
Kurzzusammenfassung
- Korfu vereint venezianische Architektur, byzantinische Festungen und üppige Natur zu einem der abwechslungsreichsten Reiseziele Griechenlands.
- Die Altstadt von Korfu-Stadt gehört seit 2007 zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist damit Pflichtprogramm für jeden Inselbesuch.
- Abseits der bekannten Hotspots bieten abgelegene Dörfer, versteckte Buchten und kaum besuchte Klöster die spannendsten Entdeckungen.
Korfu ist nicht einfach nur eine weitere griechische Insel. Die nördlichste der Ionischen Inseln hat Jahrhunderte unter venezianischem, französischem und britischem Einfluss gestanden – und das sieht man ihr an. Enge Gassen mit pastellfarbenen Fassaden, elegante Platanen-Alleen und mächtige Festungsanlagen prägen ein Stadtbild, das sich von den kykladeischen Klischeebildern deutlich unterscheidet. Wer die Sehenswürdigkeiten Korfus wirklich kennenlernen möchte, braucht Zeit, Neugier und am besten ein Mietauto.
Korfu-Stadt: Weltkulturerbe mit venezianischer Seele
Der Startpunkt jeder Korfu-Reise ist die Hauptstadt – auf Griechisch Kerkyra genannt. Die Altstadt, 2007 von der UNESCO ausgezeichnet, ist ein dicht gewebtes Labyrinth aus mittelalterlichen Gassen, dem sogenannten Campiello. Hier stapeln sich mehrgeschossige Häuser im venezianischen Stil, Wäsche hängt zwischen Balkonen, und an jeder zweiten Ecke öffnet sich ein kleines Café.
Das Herzstück ist die Liston-Promenade, eine elegante Arkadenfassade nach dem Vorbild der Rue de Rivoli in Paris – gebaut unter französischer Herrschaft im frühen 19. Jahrhundert. Davor erstreckt sich der Spianada, Europas angeblich größter Stadtplatz. Das Cricketfeld mitten auf dem Platz erinnert an die britische Besatzungszeit und sorgt noch heute regelmäßig für Spieltage.
Überragt wird die Altstadt von zwei Festungen: Die Alte Festung (Paleo Frourio) thront auf einem Felssporn direkt am Meer und bietet einen der besten Ausblicke der gesamten Insel. Die Neue Festung (Neo Frourio) liegt etwas versteckter am westlichen Stadtrand, ist weniger touristisch frequentiert und lohnt sich gerade deshalb. Von beiden Anlagen stammen Teile aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
Achilleion und Kanoni: Zwei Klassiker mit unterschiedlichem Charakter
Etwa acht Kilometer südlich der Stadt liegt das Achilleion, ein neoklassizistischer Palast, den Kaiserin Elisabeth von Österreich – besser bekannt als Sisi – zwischen 1889 und 1891 erbauen ließ. Nach ihrem Tod kaufte Kaiser Wilhelm II. das Anwesen und ergänzte es um die überlebensgroße Siegerstatue des Achilles, die heute noch den Garten dominiert. Der Palast ist als Museum zugänglich und bietet zusätzlich einen spektakulären Blick über die Bucht von Korfu.
Wer danach weiter nach Kanoni fährt, trifft auf eines der meistfotografierten Motive Griechenlands: das kleine Kloster Vlacherna, das auf einer winzigen Insel direkt vor der Küste steht und über einen schmalen Damm erreichbar ist. Dahinter, mitten im Wasser, liegt die bewaldete Insel Pontikonisi mit einer kleinen byzantinischen Kapelle. Die Legende will, dass es sich dabei um Odysseus‘ versteinertes Schiff handelt – den Mythos verdankt die Insel dem Zorn des Poseidon.
Ein ehrlicher Hinweis: Die Gegend um Kanoni liegt direkt unter der Einflugschneise des Flughafens. Wer Ruhe sucht, sollte den Besuch mit dem richtigen Erwartungsmanagement angehen – oder das Lärm-Spektakel der landenden Maschinen bewusst als Zusatzerlebnis betrachten.
Paleokastritsa und der Norden: Wo Korfu am grünsten ist
Paleokastritsa gilt weithin als eine der schönsten Buchten Griechenlands. Die Bucht an der Westküste besteht tatsächlich aus mehreren kleinen Coves, umrahmt von bewaldeten Hügeln und türkisfarbenem Wasser. Das dortige Kloster, gegründet im 13. Jahrhundert, steht auf einem Felsvorsprung direkt über dem Meer. Besonders schön: Die Fahrt dorthin durch olivenbewachsene Hügel ist mindestens genauso eindrucksvoll wie das Ziel selbst.
Wer noch weiter in den Norden fährt, entdeckt die Halbinsel Sidari mit ihren charakteristischen Sandsteinformationen und dem berühmten Canal d’Amour – einem engen Felskanal, dem die Legende eine romantische Wirkung auf gemeinsam hindurchschwimmende Paare nachsagt. Touristisch, klar, aber visuell durchaus sehenswert.
Einen anderen Charakter hat das Bergdorf Pelekas im Inselinneren. Von hier oben soll Kaiser Wilhelm II. regelmäßig den Sonnenuntergang beobachtet haben – was dem Aussichtspunkt seinen inoffiziellen Namen einbrachte: Kaiserthron. Das Dorf selbst ist ruhiger als die Küstenorte und zeigt ein unverstellteres Bild des ländlichen Korfu.
Abseits der Postkarte: Was kaum jemand kennt
Der Süden der Insel wird von vielen Reisenden unterschätzt. Das Dorf Kavos hat zwar den Ruf eines Partyziels, aber wenige Kilometer weiter nördlich versteckt sich das Kap Asprokavos mit einem kleinen Kloster und einer der wildesten Küstenlandschaften der Insel – kaum Infrastruktur, kaum Touristen.
Ähnliches gilt für Gardiki Castle, eine byzantinische Ruine aus dem 13. Jahrhundert im Südwesten der Insel. Anders als die Stadtfestungen in Korfu-Stadt steht die Anlage mitten in der Landschaft, ist frei zugänglich und wird kaum besucht. Die achteckige Struktur ist ungewöhnlich für die Region und deutet auf byzantinisch-epiriotischen Ursprung hin.
Wer kulinarisch forscht, sollte in einem der kleineren Dörfer nach Sofrito Ausschau halten – einem Korfiotischen Schmorgericht aus Kalbfleisch mit Weißwein, Knoblauch und Kräutern, das zur lokalen Identität gehört wie die Festungen zur Skyline. Es ist kein Export-Hit geworden, und genau das macht es authentisch.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Korfus zu sehen?
Für die wichtigsten Highlights – Korfu-Stadt, Achilleion, Paleokastritsa und Kanoni – reichen drei bis vier Tage. Wer auch den Norden, das Inselinnere und weniger bekannte Orte erkunden möchte, sollte mindestens sieben Tage einplanen. Ein Mietauto ist dabei praktisch unverzichtbar, da viele Sehenswürdigkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer erreichbar sind.
Ist die Altstadt von Korfu-Stadt auch für Familien mit Kindern geeignet?
Ja, die Altstadt ist familienfreundlich und gut zu Fuß erkundbar. Kinder begeistern sich oft für die alten Festungsanlagen, die Weitläufigkeit des Spianada-Platzes und die engen Gassen des Campiello. Zu beachten: Viele Wege sind gepflastert und teilweise steil, Kinderwagen sind daher nur bedingt geeignet.
Wann ist die beste Reisezeit für einen Besuch der Sehenswürdigkeiten auf Korfu?
Mai, Juni und September gelten als die angenehmsten Monate: Die Temperaturen liegen meist zwischen 22 und 28 Grad, die Insel ist vergleichsweise weniger überfüllt als im Hochsommer. Juli und August sind heiß und touristisch intensiv – besonders Paleokastritsa und die Altstadt können dann sehr voll werden. Frühjahrsbesuche lohnen sich auch wegen der üppig blühenden Vegetation, die Korfu seinen Beinamen „die grüne Insel“ eingebracht hat.

