Palmen neben Dreitausendern, Espresso mit Blick auf Schneefelder – Meran hat etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt. Die kleine Stadt im Passertal empfängt Gäste seit dem 19. Jahrhundert. Anders als viele Urlaubsorte hat sie nie aufgehört, sich um das Wohlbefinden ihrer Besucher zu kümmern.
Wie alles begann: Merans Aufstieg zur Kurstadt
1836 veröffentlichte der Wiener Arzt Johann Nepomuk Huber seine Beobachtungen über das heilsame Klima, die Trauben und die Quellen rund um Meran. Das war der Startschuss. Den eigentlichen Durchbruch brachte allerdings Kaiserin Elisabeth von Österreich: Am 16. Oktober 1870 traf sie mit einem Gefolge von über hundert Personen ein und bezog Schloss Trauttmansdorff. Ihr Aufenthalt sprach sich in den Adelshäusern Europas herum – Aristokraten, Künstler und wohlhabende Bürger folgten in den Jahrzehnten danach. Zur Jahrhundertwende verzeichnete Meran mehr als eine Million Übernachtungen pro Jahr. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei fünf Wochen.
Franz Tappeiner, Arzt und Botaniker, gab dem Stadtbild ein bleibendes Gesicht. Er finanzierte die berühmte Höhenpromenade und ließ mediterrane Pflanzen setzen. Seit 1893 ist der erste Abschnitt des Tappeinerwegs begehbar. Bis heute gehört er zu den schönsten Spazierwegen der Region.
Das Klima: Alpin trifft mediterran
Meran liegt in einem geschützten Talkessel, der kalte Luftmassen fernhält. Zypressen und Zitrusbäume gedeihen neben Weinstöcken, schneebedeckte Gipfel bilden die Kulisse. Über 300 Sonnentage im Jahr sprechen für sich – schon die Kurärzte des 19. Jahrhunderts priesen dieses Mikroklima. Bis heute reisen zahlreiche Gäste genau deshalb an.
Wellness mit Geschichte: Was euch heute erwartet
Das Kurhotel Schloss Rundegg in Meran zeigt beispielhaft, wie die Stadt ihre Kurtradition ins Heute überträgt: historisches Schlossambiente, verbunden mit einem zeitgemäßen Spa-Bereich. Ähnlich beeindruckend ist die Therme Meran mit 25 Innen- und Außenpools, Strömungsbecken und einem großzügigen Saunabereich. 368.805 Besucher zählte die Therme Meran allein im Jahr 2024, dazu kamen 182.435 Sauna-Zugänge – Zahlen, die die Anlage zu einem der meistbesuchten Wellness-Zentren Südtirols machen.
Neben den großen Einrichtungen hat sich Meran als Ort für naturnahe Bewegungstherapien einen Namen gemacht. Der Tappeinerweg schlängelt sich über den Dächern der Stadt entlang von Grünanlagen, vorbei an Olivenbäumen und blühenden Sträuchern. Das Promenadenetz lädt zu täglichen Spaziergängen ein – ganz im Geist der historischen Terrainkur. Vertiefende Einblicke in die Bäderkultur und die heilende Wirkung von Thermalwasser liefert unser Beitrag über Thermenurlaub in Norditalien.
Mehr als Kur: Kultur, Natur und gutes Essen
Die Laubengasse mit ihren mittelalterlichen Arkaden zieht Besucher magnetisch an. Kleine Weinbars schenken Vernatsch aus, Gasthöfe servieren Südtiroler Schlachtplatten, Restaurants nebenan setzen auf leichte italienische Küche. Alpines und Mediterranes verschmelzen auf engstem Raum – manchmal lässt sich beides an einem einzigen Abend erleben, wenn ihr nach einer Wanderung bei einem Glas Lagrein den Tag ausklingen lasst.
Für Wanderfreunde hat die Umgebung einiges zu bieten:
- Die Waalwege führen entlang alter Bewässerungskanäle durch Obstgärten und Weinberge – ideal für gemütliche Halbtagestouren
- Der Meraner Höhenweg eröffnet Panoramen über das gesamte Meraner Becken und die umliegende Bergwelt
Auch kulturell lohnt sich ein Aufenthalt: Das Stadttheater, mehrere Museen und ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm runden euren Besuch ab. Regelmäßig finden Konzerte, Lesungen und Ausstellungen statt, die einen Blick hinter die touristische Fassade erlauben.
Schloss Trauttmansdorff und seine Gärten
Rund achtzig Themengärten erstrecken sich auf den terrassierten Hängen oberhalb der Stadt. Von April bis November geöffnet, gehören die Gärten von Schloss Trauttmansdorff zu den bekanntesten botanischen Anlagen Europas. Dort, wo einst Kaiserin Sisi zwischen tropischen Pflanzen flanierte, spazieren heute jährlich Hunderttausende. Besonders im Frühling, wenn Magnolien und Rosen blühen, lohnt sich ein Besuch.
Für wen lohnt sich eine Reise nach Meran?
Paare auf der Suche nach Ruhe, Wanderbegeisterte, Kulturinteressierte oder schlicht alle, die dem Alltag für ein paar Tage entkommen möchten – ihr findet in Meran den passenden Rahmen. Die Stadt ist kein Ziel für Massentourismus. Sie hat stattdessen über Jahrzehnte eine Wellness-Kultur entwickelt, die auf Substanz baut: begehbare Geschichte, eine Naturkulisse von seltener Dichte und ein Gespür dafür, was Erholung tatsächlich bedeutet. Einmal dort gewesen, versteht man das sofort. Meran ist ein Ort, an dem Entspannung tiefer geht – weil er sie seit über einem Jahrhundert lebt.

