Kurzzusammenfassung
- In den Osterferien und während anderer Urlaubszeiten steigen die Chancen auf Bußgelder im In- und Ausland deutlich – gerade durch Unwissenheit oder Routinefehler. Schon kleine Regelverstöße können dreistellige Summen kosten.
- Besonders streng sind die Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen und Alkoholvergehen in Ländern wie der Schweiz, Frankreich oder Norwegen – mit Strafen bis zu 2.200 Euro bei schweren Verstößen.
- Seit 2013 werden viele ausländische Bußgelder ab 70 Euro auch in Deutschland vollstreckt – Ignorieren ist keine Lösung. Selbst Jahre später kann es zu Zwangsvollstreckungen oder Problemen bei der Wiedereinreise kommen.
Warum ihr auch vor der Grenze aufpassen müsst
Viele Autofahrten in den Urlaub beginnen ganz harmlos – mit dem Einstieg ins eigene Fahrzeug. Was viele unterschätzen: Verkehrsverstöße noch auf deutschem Boden können nicht nur teuer werden, sondern im schlimmsten Fall sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Der deutsche Bußgeldkatalog ist umfangreich und berücksichtigt neben Tempoverstößen auch technische Fahrzeugmängel, Ladungssicherheit und Verhalten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern.
Selbst vermeintlich kleine Fehler wie zu nahes Auffahren, Handy am Steuer oder das Überfahren einer roten Ampel führen schnell zu Punkten in Flensburg oder sogar zum Fahrverbot. Besonders in der Ferienzeit wird bundesweit verstärkt kontrolliert – häufig in Grenznähe oder auf beliebten Reiserouten. Viele wissen zudem nicht, dass auch Carsharing-Fahrzeuge, Motorräder und E-Autos inzwischen in den Fokus neuer Regelungen gerückt sind.
Es lohnt sich also, bereits vor Fahrtantritt einen kurzen Blick auf die aktuell gültigen Regelungen zu werfen – nicht zuletzt, weil ihr als Halter für viele Verstöße auch dann haftbar seid, wenn jemand anderes fährt.
Was ihr über Verkehrsregeln im Ausland wissen solltet
Kaum über die Grenze gefahren, gelten meist völlig andere Spielregeln. Und wer glaubt, dass sich Bußgelder im Ausland auf dem gleichen Niveau wie in Deutschland bewegen, irrt gewaltig. In Frankreich, Norwegen oder der Schweiz kann schon eine geringfügige Geschwindigkeitsüberschreitung mehrere hundert Euro kosten – je nach Ort, Tageszeit und Gefährdungslage.
Besonders tückisch: In Ländern wie Schweiz, Italien oder Ungarn gelten Lichtpflichten auch tagsüber. Wer das vergisst, riskiert schnell Bußgelder zwischen 40 und 200 Euro. Auch Unterschiede bei Handyverbot, Rettungsgasse oder Promillegrenzen sind weit verbreitet. So kann eine Alkoholfahrt in Österreich nicht nur den Führerschein kosten, sondern auch ein Nachschulungsseminar zur Folge haben – selbst wenn ihr dort nur im Urlaub unterwegs wart.
Ein weiteres Risiko: Mautregelungen und Umweltzonen, etwa in Frankreich, Italien oder Österreich. Wer ohne Vignette oder Umweltplakette erwischt wird, zahlt nicht nur eine Strafe, sondern riskiert im Wiederholungsfall sogar das Abschleppen. Ein kurzer Check der jeweiligen Vorschriften spart also bares Geld – und Nerven.
Wie teuer kann zu schnelles Fahren im Ausland werden?
Die Bandbreite an Bußgeldhöhen bei Geschwindigkeitsverstößen innerhalb Europas ist enorm. Während ihr in Deutschland bei bis zu 20 km/h zu viel in der Regel mit 35 Euro davonkommt, sieht das etwa in Frankreich ganz anders aus: Dort kostet dieselbe Übertretung 135 Euro – mit Spielraum nach oben bis 375 Euro. In der Schweiz beginnt der Strafrahmen bereits bei 40 Franken (ca. 42 Euro) für minimale Tempoüberschreitungen und steigt rasant – je nach Schwere bis zu mehreren Tausend Franken, inkl. Strafanzeige.
In Österreich gelten im Vergleich dazu eher moderate Strafen: Zwischen 21 und 54 Euro für kleinere Überschreitungen. Aber: Ab 40 km/h über dem Limit drohen Fahrverbote und hohe Geldstrafen. Besonders streng geht auch Norwegen vor – dort kostet bereits eine Übertretung von 10 km/h bis zu 500 Euro, ab 25 km/h können bis zu 1.200 Euro fällig werden.
In Ländern wie Spanien, Italien oder Tschechien kommen häufig Verwaltungsgebühren oder zusätzliche Kosten für den Verwaltungsaufwand oben drauf. Fazit: Wer zu schnell fährt, spart vielleicht Zeit – riskiert aber eine teure Überraschung.
Was gilt bei Alkohol am Steuer im europäischen Ausland?
Alkoholfahrten im Ausland sind nicht nur gefährlich, sondern auch teuer. In Deutschland liegt die Grenze bei 0,5 Promille, Verstöße kosten mindestens 500 Euro, dazu kommen Punkte und ein Monat Fahrverbot. Doch das ist im europäischen Vergleich noch harmlos.
In Frankreich, Österreich und Schweiz gelten ähnliche Grenzwerte, doch die Konsequenzen sind deutlich härter. So verlangt die Schweiz ab 0,5 Promille ein Bußgeld von 600–800 Franken. Ab 0,8 Promille droht ein dreimonatiges Fahrverbot – bei Wiederholung sogar zwölf Monate oder mehr. In Österreich gilt ein gestaffeltes System – je nach Alkoholwert können auch Nachschulungen, medizinisch-psychologische Gutachten und hohe Geldstrafen verhängt werden.
Frankreich setzt ebenfalls bei 0,5 Promille an, verlangt aber eine Mitführpflicht für Alkoholtester – auch wenn diese nicht mehr mit Sanktionen belegt ist, bleibt sie gesetzlich vorgeschrieben. In vielen Ländern kann außerdem die Verweigerung eines Tests selbst als Schuldeingeständnis gewertet werden.
Am sichersten fahrt ihr also, wenn ihr im Urlaub ganz auf Alkohol am Steuer verzichtet – auch im eigenen Interesse.
Was passiert, wenn ihr ein ausländisches Bußgeld nicht bezahlt?
Der Irrglaube, ausländische Strafzettel ignorieren zu können, hält sich hartnäckig – ist aber längst überholt. Seit Inkrafttreten der EU-Richtlinie von 2013 und dem deutschen Europäischen Geldsanktionsgesetz können Bußgelder ab 70 Euro auch in Deutschland vollstreckt werden – von den zuständigen Vollstreckungsstellen der Bundesländer.
Zahlt ihr also ein Bußgeld aus dem Ausland nicht, kann das Konsequenzen haben: von Zwangsvollstreckung bis zur Pfändung. Auch wenn ihr erneut in das betreffende Land reist, kann euch die frühere Strafe zum Verhängnis werden – z. B. durch Nachzahlungen, Fahrverbote oder Fahrzeugstilllegungen.
Zwar werden keine Punkte ins deutsche Fahreignungsregister übertragen, doch allein das Risiko, bei der nächsten Reise Probleme zu bekommen, sollte Grund genug sein, Bußgeldbescheide ernst zu nehmen. Wer Zweifel hat, kann Widerspruch einlegen – doch das sollte überlegt und am besten mit juristischer Beratung erfolgen.
FAQs – Verkehrsverstöße & Bußgelder im Urlaub
- Muss ich in jedem EU-Land Warnwesten im Auto mitführen?
Nein, aber in den meisten Ländern ist das Pflicht. In Frankreich, Italien, Spanien und Österreich ist pro Mitfahrer eine Weste vorgeschrieben – in Deutschland nur eine für den Fahrer. - Gelten Verkehrsverstöße mit Mietwagen anders als mit dem Privatwagen?
Nein. Die Strafen treffen immer den Fahrer oder Fahrzeughalter – bei Mietwagen leiten die Vermieter die Bußgelder an euch weiter, oft mit Bearbeitungsgebühr. - Kann ich Punkte in Flensburg für Verstöße im Ausland bekommen?
Nein. Ausländische Verstöße haben keine Auswirkungen auf das deutsche Fahreignungsregister – sie bleiben also punktfrei, aber nicht folgenlos. - Gibt es im Ausland auch Bußgelder für das Nichtbilden einer Rettungsgasse?
Ja, z. B. in Österreich oder der Schweiz. Dort kann das Unterlassen mit mehreren hundert Euro bestraft werden. - Darf ich in allen Ländern ein Blitzerwarngerät nutzen?
Nein. In Deutschland sind Blitzer-Apps verboten, aber geduldet. In Frankreich, der Schweiz und Österreich ist die Nutzung strafbar, inklusive Bußgeld und Gerätebeschlagnahmung.